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Samstag, 18. Januar 2014

Regulierte Finanzmärkte in nachbürgerlicher Zeit

» Wenn ein hochgerüstetes Auto jahrelang zu schnell fährt, hilft es nicht, die Turbolader wieder auszubauen.
Was zu Schrott gefahren wurde bleibt Schrot
t.«


„Die“ Finanzmärkte bleiben erhalten. Das ist doch eine gute Nachricht. Aber: bürgerlich und nachbürgerlich: Was soll das im Zusammenhang mit der Regulierung der Finanzmärkte heißen? Die Antwort hat zwei Teile:
Erstens kennt die bürgerliche „Kultur“ als Anreizsystem offenbar lediglich dies: Den Leidensdruck erhöhen. So hat es vor nicht allzu langer Zeit ein reichlich dummes bayerisches Weibsbild bezeichnet. Ein steuerbezahltes obendrein, das nicht wußte, woher ihr Geld eigentlich stammt. Aber wahrscheinlich wollte diese „Dame“ auch nur mit dem „Mainstream“ schwimmen, denn dann braucht man selbst nicht mehr zu denken.
Nun lehrt aber die Evolution, daß stets nur die Belohnung weitere Leistung, mehr Leistung hervorbringt. Wer das gewünschte zur richtigen Zeit richtig macht, der wird belohnt. Der erhält einen Vorteil. Damit er das auch kann, muß er eine „Guideline“ an die Hand bekommen, aus der er zu jeder Zeit herauslesen kann, ob er auch noch auf dem richtigen Weg ist. Diese Guideline ist überschauber, so kann sie Orientierung bieten. Soll mehr darin aufgenommen werden, dann muß man sich sehr lange und gründlich darüber unterhalten. So ein „Aufnahmeverfahren“ ist eine ernste Sache.
Demgegenüber stehen die bürgerlichen Versionen mit komplizierten Verbotslisten. Deren einziger Effekt ist, daß alles getan wird, was nicht drinsteht. Und schon gibt es wieder „Nachbesserungsbedarf“. Die Annahme, neben der Liste gäbe es auch noch andere „Regularien“ wie die angeborene gute Kaufmannschaft oder ähnliches, die automatisch dafür sorgen würden, daß es von selbst läuft, sind nichts weiter als Abwehrmaßnahmen, Vornewegverteidigungsstrategien gegen weitere komplizierte Verbote.
Darüberhinaus bin ich einfach nicht willens, jedem rotzfrechen Straßenjungen Tag für Tag hinterherzulaufen und auf ihn aufzupassen. Dafür ist mir meine Lebenszeit einfach zu wertvoll.
Zweitens findet in der Evolution niemals eine Restauration statt. So etwas ist einfach nicht artgerecht, nicht menschengerecht. Wenn daher immer wieder bürgerliche „Denker“ darauf verweisen, man müsse doch nur die Regelungen von 19xx wieder in Kraft setzen und alles wäre in Ordnung, so laufen sie in die Irre. Eigentlich verfolgen sie damit nur das Ziel, von ihrem Versagen bei der Abschaffung dieser Regeln abzulenken. Sie wollen ihre Fehler nicht eingestehen.
Sie übersehen dabei nur, daß die Zeit weitergelaufen ist, daß sich Bedingungen und Handlungsmuster verändert haben. Ich kann doch auch nichts dafür, daß der Liebe Gotte diesem Universum die Zeit verpaßt hat. Es ist halt so.
Entscheidender aber ist, daß sich Menschen niemals haben zurückversetzen lassen. Sie spüren tief in ihrem Innern, daß es nur die eine Richtung nach vorn gibt. Hat auch der Liebe Gott zu verantworten. Damit hat er auch kein Problem, wenn ich ihn richtig verstehe.
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Einschub zur Klarstellung meiner Position: In der augenblicklichen Diskussion werden die abstrusesten Ansichten vertreten. Zwischen „Gelddruckmaschine Finanzindustrie“, „Virtueller Realität mit realem Dahinsiechen“ und „Zinsen sind Teufelswerk“ ist so ziemlich alles vertreten. Dabei wird die Bedeutung, die evolutionäre Bedeutung des Kredits übersehen.
Der Kredit folgt direkt aus der ursprünglichen Idee des Geldes. Er ist ein Vertrauensvorschuß des Gläubigers an seinen Schuldner. Und er ist ein Wertvorschuß auf den künftigen Mehrwert, der mit dem Kredit als „Baustein“, als „Hilfsgerüst“ erschaffen wird. Daher wird der Kredit auch nicht vergeben, er ist nicht geliehenes Geld aus einem vorhandenen Topf. Er wird verkauft, so wie jedes andere notwendige Hilfsmittel zur Produktion auch. Der Kaufpreis ist der Zins. Er ist die Einkommensquelle für den Kreditgeber. Und er ist die Voraussetzung dafür, daß (Spar-)Einlagen überhaupt durch Verzinsung belohnt werden können. Spareinlagen wiederum sind nicht die Quelle für Kredite, sie sind bestenfalls Teile notwendigen Eigenkapitals eines Kreditgebers, denn der selbst muß auch kreditwürdig sein.
Kredite sind Buchgeld, sie werden erst dann real, wenn sie über die Refinanzierung des Kreditgebers durch die mit Hoheitsrechten ausgestattete Zentralbank „gedruckt“, geschöpft werden. Das ist übrigens „inflationsneutral“, da sie nur den vorweggenommenen Mehrwert repräsentieren.
All das ist keine virtuelle Spinnerei, nur weil irgendeine schwäbische Hausfrau, die geistig nocht nicht einmal im Industriezeitalter angekommen ist, dies angeblich nicht versteht. Wäre es wirklich so, daß man Geld nur verleihen könnte, wenn es schon erwirtschaftet wäre, dann hätten wir die wirtschaftliche Evolution bis heute nicht durchgehalten. Wirtschaften schafft  Mehrwert. Und durch was wäre der repräsentiert, wenn nicht mehr Geld hinzukäme? Müßte man das nicht sofort nach Durchlaufen der Wertschöpfungskette aufstocken? Ja, müßte man. Aber mittels Kredit als Wertvorschuß läuft das ganz von allein. Schuldenbremsen per se sind daher nichts weiter als Blödsinn, als Ausrede von Leuten, die im Mittelalter steckengeblieben sind. Als Ausrede von Leuten, denen nichts mehr einfällt. Für Kredite und mithin für Schulden gilt die alte Betonbauerweisheit „Es kommt d’rauf an, was man d’raus macht.“
Problematisch werden zwei Punkte. Auch wenn einem Kredit üblicherweise gleich drei Werte gegenüberstehen (künftiger Mehrwert durch den Kreditzweck, Rückzahlungspflicht des Schuldners, Kreditausfallversicherung), so folgt im Falle des Versagens des Kreditnehmers die „Materialisation“ des Buchgeldes in einen realen Schaden. Für wen dann auch immer.
Zweitens werden Kredite durch Verbriefung verwässert, ihr Wert wird auf immer mehr „Anteilsscheine“ verteilt. Dabei ist die Verbriefung doch nur das Vehikel, um ein Handelsverbot für Kredite zu umgehen beziehungsweise durch Mehrfachverbriefungen möglichst viel Handelsvolumen zu erzeugen. Das ist verlockend, da dem Kredit ja die drei beschriebenen Werte üblicherweise gegenüberstehen. Was sollte da schiefgehen? Nun, es geht schief, da Kredite her müssen auf Teufel komm ’raus, sonst gibt es nichts zu verbriefen. Vor allem nicht die Verbriefung von Verbriefungen. Der eigentliche Sinn des Kredits geht verloren. Und zweitens schafft das Handeln mit Verbriefungen keinen Mehrwert. Da ist dann die schwäbische Hausfrau in der City of London unterwegs und verteilt laufend vorhandenes Geld nur um. Mehrwert kann sie damit aber nicht schaffen, womit auch. Sie hat ja nur die „wertverwässerten“ echten Kredite irgendwo ganz unten im tiefen Raum des Paralleluniversums ihrer Hausfrauentasche.
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Und so sähe jetzt der regulierte Finanzmarkt in nachbürgerlicher, artgerechter Weise aus (Belohnungssystem und Arbeiten in Bandbreiten). Ohne Trennbankensystem (Hierzulande doch eher deswegen gewünscht, um ja die beliebten Sparkassen zu erhalten. Wie waren die doch noch gleich entstanden?) und endlose Verbotslisten geht es auch. Das einzige, was reguliert beziehungsweise unterschieden werden muß, sind Geschäftsfelder beziehungsweise Produkte/Produktkategorien und zugehörige Märkte. Und die Wege, die zwischen ihnen beschritten werden können.
Vorab noch zwei Bemerkungen: Es wird von Direktwertpapieren die Rede sein. Im Prinzip sind das direkt handelbare Verträge (Kredite, Anleihen und Anteile sowie Rückversicherungen, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle). Diese werden zu handelbaren Direktwertpapieren, wenn Käufer und Verkäufer dem zustimmen. Sie werden in Bandbreiten (Verzinsung, Anzahl und Volumina von Positionen, Handelsrhythmus mit Wartezeiten) gehandelt. Dafür steht eine Kommission, die jährlich diese Bandbreiten festsetzt. Sie besteht aus Vertretern der Banken, der Zentralbank, der Regierung und des Parlamentes (auch aus den Oppositionsparteien) sowie aus Vertretern von EU-Kommission und EU-Parlament (auch wenn es nur um nationale Regelungen geht, werden die gehört; geht es um weitergehende Regelungen über Kontinente hinweg, werden aus jedem betroffenen Land dieselben Gremien angesprochen). Die Mitglieder dieses Gremiums wechseln im Jahresrhythmus. Wiedereinsetzungen erfordern einjährige Karenzzeiten. Die Einsetzung erfolgt durch die Parlamente.
Ganz schön groß, diese neue Kommission, nicht wahr? Das muß sie auch sein, denn sie hat sehr viel Macht. Und die will verteilt sein. Aber sie muß pünktlich ihre Aufgaben erledigen. Legt sie also nicht zum Stichtag neue Bandbreiten fest, dann werden die Märkte angehalten. Das will doch keiner riskieren, oder? Und nickt sie die alten Regelungen nur neu ab, dann darf sie das genau einmal. Danach ist Schluß damit. Die Aufgabe ist die ständige Weiterentwicklung, nicht die Konservierung.
Wieso ist hier überhaupt noch von der Zentralbank, einer mehr oder minder staatlichen Veranstaltung, die Rede? Die Staaten sind doch pleite. Das Geld liegt doch ganz woanders. Was soll das? Nun, die Staaten und ihre wirtschaftenden Menschen schaffen Mehrwert. Die sogenannte Finanzindustrie, bei der sich die größten Vermögen befinden, verteilt vorhandene Werte nur um. Sie ist bedeutungslos. Ich hatte schon andernorts darauf hingewiesen. Ich setze das für die Zukunft voraus.
Ein Direktwertpapier ist ein für zertifizierte Börsen zugelassenes Papier. Besonders für Fonds ist es wichtig, ob sie hier zugelassen werden können, wenn sie dies wollen. Das gilt auch für Staatsfonds und Sozialversicherungsfonds (damit ist die neue, nachbürgerliche Sozialversicherung gemeint, die noch Thema werden wird). Wichtig ist hier: Der Wechsel vom Wertpapierstatus in den Direktwertpapierstatus ist möglich; über ein sehr strenges Auswahlverfahren durch die Kommission, das auch noch jährlichen Vorgaben nach Anzahl und Volumen der Kandidaten unterliegt. Der umgekehrte Weg ist heikel. Wer ins „Zockerparadies“ des Wertpapiergeschäftes wechselt, der hat ein komplett neues Auswahlverfahren vor sich; nach einer mindestens einjährigen Karenzzeit. Nachdenken lohnt sich.
Dazu noch eine weitere Bemerkung: Wertpapiere, neue „Produkte“ können ja durchaus sinnvoll sein, zum Beispiel als Rückversicherungsinstrument. Sie müssen aber ausgereift und „serientauglich“ sein. Die Zeit als Wertpapier kann also auch eine Entwicklungs- und Testphase sein, ein Experiment. Ohne Experimente geht es nun einmal nicht voran. Sie dürfen nur nicht immer wieder zum ganz großen Knall führen, wenn sie mißlingen.
Ferner ist von der Insolvenz aller Beteiligten, also auch der Banken, die Rede. Wichtig scheint mir in der augenblicklichen dogmatisch verkalkten Debatte folgendes zu sein: Gläubiger sind in der Insolvenz Geschädigte. Die einzig sinnvolle Rangfolge ist die Unterscheidung in Gesellschafter (Gesellschafterdarlehen, -anteile wie bekannt aus der InSo-Ordnung) und andere. Gläubiger mit größeren Forderungen sind nicht allein deswegen schlechtere Gläubiger (Sie haben ja nur investiert, um Gewinn zu machen. Der kleine Sparer wollte doch nur ein paar Zinsen. Das ist genauso mittelterlich unprofessionell wie der Schuld- und Sühnegedanke im Insolvenzfall: Wir haben zwar Mist gebaut, aber Schuld sind wir nicht! Wer denn dann? Und warum ist das für die Lösung des Problems überhaupt wichtig?).

Kreditgeschäft

Das sind: Geschäftskredite inklusive Warenterminfinanzierung, Währungsgeschäfte, Edelmetallgeschäfte, Verbraucher- und andere Privatfinanzierungen, Direktwertpapiergeschäfte, aber ohne sonstige Wertpapiergeschäfte (insbesondere alle ohne direkten Bezug zur Realwirtschaft).
Dafür ist die günstige Refinanzierung via Zentralbank möglich (Belohnung), sie darf aber auch gern unter Banken erfolgen, wenn dies aus anderen Gründen (Unabhängigkeit) gewünscht ist.
Die hier geltenden Bandbreiten werden wie oben beschrieben jährlich festgelegt (Zinssätze, Volumina pro Marktteilnehmer, Handeslaktivitäten – besonders im computegestützten Handel).
Um die Risikobereitschaft zu erhöhen (Ersatz für Basel etc.) wird dieser Weg beschritten – prinzipiell und nicht nur für gute Verhandler: Kreditnehmer und -geber bilden eine Besicherungsgemeinschaft, so daß Kredite durch schnell liquidierbare Sicherheiten im Falle des Falles sofort beendet werden können (die benannte Kommission regelt, was das sein kann). Der  Anfangszinssatz für Nehmer ist abhängig von seinen Sicherheiten; der Zinssatz soll im Laufe des Kredites sinken (Zinsfloating, Besicherungsfloating), wenn die Sicherheiten des Nehmers erhöht werden können (Kredit für Ausrüstungsinvestitionen zum Beispiel dann, wenn Ausrüstung steht und produziert, der Wert also zumindest  teilweise geschaffen wurde). Am Anfang soll der Zins ruhig höher liegen, man soll ja nicht vergessen, daß noch etwas zu tun ist.
Geber und Nehmer können vereinbaren, daß die Kredite gehandelt (Direktwertpapiergeschäft) oder verkauft werden können; die Konditionen werden mitverkauft und sind garantiert.
Es gibt eine tägliche Meldepflicht für alle Kredite an die (bestehende) Aufsichtsbehörde; auch über den Verlauf von Krediten, denn man muß ermitteln, ob die „floatenden“ Sicherheiten auch wirklich funktionieren. Weiterhin wird damit sichergestellt, daß auf Umwegen nicht Wertpapiergeschäfte so vorfinanziert werden und daß die jährlichen Bandbeiten den tatsächlichen Kreditverläufen angepaßt werden können. Aggregierte Daten gehen daher auch an die benannte Kommission zur Bandbreitenfestlegung und verbleiben da.
Im Insolvenzfall (als Grund reicht Zahlungsunfähigkeit oder drohende Zahlungsunfähigkeit aus, Überschuldung wird gar nicht erst geprüft) wird die Bank geschlossen und ein Verwalter berufen Der löst sofort „wackelige“ Kredite auf (als Bewertungskriterium hat er die Daten aus der täglichen Meldepflicht und einen sehr strengen Kriterienkatalog durch besagte Kommission). Alle anderen Kredite verkauft er sofort oder bewirtschaftet sie selbst weiter. Dazu erhält er Unterstützung durch die Zentralbank. Nur durch die. Die Banken bleiben dabei draußen. Sie können ja vom Verwalter kaufen und mit guten Schuldnern weiter verdienen. Sonst gehen diese Einkünfte eben an die Zentralbank, falls die Schuldner nicht selbst ablösen wollen oder können.

Warentermingeschäft (Rohstoffe), Währungsgeschäfte, Edelmetallgeschäfte und Direktwertpapiergeschäfte

Direktwertpapiere wie oben benannt – Der Handel findet nur an zertifizierten Börsen statt (befristetes und jährlich zu erneuerndes Zertifikat, erteilt durch benannte Kommission). Auch hier gilt die tägliche Meldepflicht und die Festlegung von Bandbreiten, letztere insbesondere zu Anzahl der Positionen und Positionsvolumina, die von einem Teilnehmer gehandelt werden dürfen und auch zur Anzahl von Handelsabschlüssen pro Tag damit.
Vorfinanzierungen können daher auch durch die Zentralbanken refinanziert werden.
Zur Erinnerung: Die Kriterien für ein Direktwertpapier legt besagte Kommission fest. Ein solches Papier muß ein Auswahlverfahren durchlaufen. Und es muß jährlich seinen Status erneuern.
Die Insolvenzregelung gilt auch für diese Börsen. Wenn es nicht mehr läuft, müssen sie schnellstens verschwinden und abgelöst werden.

Staatsanleihen

Staatsfinanzierungen können nur über Banken vorgenommen werden. Direktwertpapiergeschäfte sind damit möglich (Aufnahmeverfahren); handelbar sind sie aber nur an einer besonderen zertifizierten Börse, die nur Staatsanleihen handelt. Müssen Staaten ihren Bankrott erklären, so werden sie als Marktteilnehmer an dieser Börse insolvent, nicht aber als Staat an sich. Der Verwalter wickelt nur die bankrotten Anleihen ab. Die Staaten müssen nur für ihre daraus resultierenden Verpflichtungen einen Sanierungsplan vorlegen, wenn sie weiter am Markt teilnehmen wollen. Im Klartext: Sie müssen ihre Schulden begleichen und wieder kreditwürdig werden. Sie müssen sich aber nicht irgendwelchen anderen Staaten unterwerfen. Das ist unprofessionell und behindert eine schnelle Sanierung.
Jeder teilnehmende Staat legt einen speziellen Staatsfond (Sicherungsfonds) auf, aus dem die Risiken hier ausgeglichen werden können. Der Staatsfond ist ein reiner Sparfond, kann aber auch (Direkt-)Wertpapier werden. Der Staat wird damit zum Marktteilnehmer, zum unternehmenden Staat. Aber er muß sich entscheiden für das Direktwertpapier oder das Wertpapier. Entscheidet er sich für letzteres, ist der Rückweg dann nur durch ein erneutes Aufnahmeverfahren möglich.
Also könnte der Staat natürlich zwei Fonds auflegen, wobei zwischen diesen beiden allerdings keinerlei Kapitalflüsse zulässig sind (besagte Kommission als Kontrollinstanz). Wer als Staat da tricksen will, der fliegt ’raus aus dem ganzen System. Der muß für ein Jahr „auf die Bank“, zum Nachdenken. Diese Sonderregelung gilt nur für die Sicherungsfonds der Staaten. Ansonsten kann jeder soviel Direktwertpapiere oder Wertpapiere auflegen wie er will. Und auf allen Hochzeiten tanzen.

Wertpapiergeschäft (alle nicht benannten Wertpapiere)

Hier ist grundsätzlich alles erlaubt, ob Leergeschäft oder Verkaufsoptionen für Grundstücke auf dem Mars, nichts ist unmöglich. Es gibt keine Bandbreiten, keine Volumenbegrenzung, hier herrscht grenzenlose Freiheit. Es gibt nur ein paar wenige Zugangsvoraussetzungen und Handlingsvorgaben. Jeder darf hier rein, auch die Staatsfonds als Marktteilnehmer. Dann wird der Staat eben zum spekulierenden Staat, warum auch nicht. Dann lernt er was und weiß in Zukunft besser, wovon die Rede ist.
In diesem Geschäftsbereich werden nur Verrechnungseinheiten als Währung verwendet. Der Zugang zu diesem Geschäftsbereich erfolgt durch Kauf von Verrechnungseinheiten (VE). Der Kaufkurs ist immer 1:1 in der Leitwährung eines Wirtschaftsraumes; die gewünschte Eintrittswährung muß vorher gekauft werden. Die Ausgabe der VE erfolgt über Banken, die dafür einen Verwaltungsabschlag von 0,2% einbehalten, von dem die Hälfte an die jeweilige Zentralbank geht (als Startgeld). Jeder Kauf von VE erhält eine ID-Nummer, nur damit ist der Rücktausch möglich. Die Kaufzahlungen verbleiben auf Treuhandkonten ohne Verzinsung.
Erfolgt der Kauf von VE mittels Kredit, so ist hierfür eine Refinanzierung via Zentralbank ausgeschlossen, hier ist nur eine unter Banken möglich. Dennoch besteht auch hierfür die Meldepflicht, um sehr schnell einen drohenden Insolvenzfall feststellen zu können. Das Disagio für Verwaltung/Startgeld erhöht sich dabei auf 0,4% (wieder verteilt).
Der Rücktausch erfolgt nach Performance in diesem Geschäftsbereich. Nur die „Besten der Besten der Besten“ erhalten einen Rücktauschkurs von 1:1, wiederum mit den besagten Abschlägen von 2x0,1% bzw. 2x0,2%, ausbezahlt aus den Treuhandkonten (Leistungsprinzip, außerdem sollen so Kandidaten für den Status als Direktwertpapier ermittelt werden). Alle anderen erhalten gestaffelt nach ihrer Performance in drei bis vier Stufen geringere Wechselkurse, sie waren halt nicht gut genug. Das Rating der Performance legen die Marktteilnehmer selbst fest, meinethalben quartalsweise, damit es parallel zum Berichtswesen läuft; wie sie es halt gewohnt sind. Es scheinen auch Awards sinnvoll, um noch mehr Anreiz zu bieten.
Nun kann es ja sein, daß auf den Treuhandkonten Geld verbleibt, wenn die gesamte Performance nicht so toll war. Dieses Geld verbleibt dort  als verfügbare Masse (“Brachgeld“) längstens für ein Jahr. Danach geht es nach einem einfachen Volumenschlüssel (Wer hat wieviel ’reingesteckt) zunächst an Institute, die geplatzte Kredite verkraften müssen, allerdings mit einem Strafabschlag für Fahrlässigkeit und Fehleinschätzung von 10%, der an die Zentralbanken fließt (Ein wenig Strenge hilft bei der Erziehung, ein wenig!). Sollte dann noch etwas übrigbleiben, geht es als kleine Prämie an die besten Performer; Leistung soll sich ja lohnen. Immer noch etwas da? Das geht dann an die Sicherungsfonds der Staaten. Verluste machen so gleich zweimal Sinn: den Sicherungsfonds tut es gut (das Geld fließt auch so in die Märkte zurück) und die Verlierer haben einen Denkzettel; das übt.
Es kann aber auch sein, daß die Performance so gut ist, daß gar nicht genug vorhanden ist für den Rücktausch. Erstens kann dann auf das „Brachgeld“ zurückgegriffen werden. Und zweitens ist dies automatisch ein Fall für die „Aufnahemeprüfung“ in den Direktwertpapierstatus. Diese Performer würden bei erfolgreicher Aufnahme zusätzlich eine „Entwicklungsprämie“ durch die Zentralbank erhalten. Wird dies nicht gewünscht (freie Entscheidung der Akteure im Wertpapiergeschäft), dann wird rückgetauscht bis zur Höhe des verfügbaren Geldes (einschließlich eventuelles „Brachgeld“). „Over-Performing“ muß nicht zwangsläufig lohnend sein; eine kleine Maßnahme, um an ein mögliches „Bandbreitendasein“ zu gewöhnen.
Ja, was denn? Wenn einer soviel „Kohle“ gemacht hat, dann muß er die doch auch kriegen! Das ist doch eine Frage der Gerechtigkeit! Und woher, bitte schön? Mehr als alle anderen auszustechen und deren Geld in die eigene Tasche umzuverteilen, geht halt in diesem Bereich nicht. Es wird doch kein Mehrwert geschaffen. Und daher kann auch hier kein Geld „nachgedruckt“ werden. Immer im Auge behalten: Der Sinn des Wirtschaftens ist das Schaffen von Mehrwert, nicht der Beutezug. Und: Man kann die Beute halt nur einmal auffressen. Dann ist sie weg. Man geht dann wieder neu Jagen, aber das bitte nur hinter Zäunen im Wertpapier-Reservat.
Übrigens: Die bei Zentralbanken angefallenen Abschläge müssen in Kapitaldienste gesteckt werden, damit sie unbedingt den Finanzmärkten erhalten bleiben. Kein Staat sollte auf die Idee kommen, damit so etwas wie einen Hauptstadtflughafen bauen zu wollen.
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Kurz vor Schluß noch einmal etwas für das Verständnis. Die besagte dogmatisch verkalkte Diskussion heutzutage zeigt immer mit dem Finger auf ganz bestimmte „Übel“ – und hat dann angeblich den Stein der Weisen gefunden. Dies war zum Beispiel das Verbot von Leergeschäften. Eine Frage dazu: Ist ein Verkauf von Anlagen (zum Bespiel Bohranlagen) zu einem erhofften Preis zu erhofften Kosten, deren genaue Bestimmung in der Zukunft liegt, nicht auch ein Leergeschäft? Versuchen die daran Beteiligten nicht auch, durch „geeignete Maßnahmen“ die Zielwerte zu erreichen? Die Empörung darüber, daß „Die da was verkaufen, was sie (noch) gar nicht haben“ ist doch nicht mehr so ganz von dieser Welt, nicht wahr?
Zum Schluß:  Das Wertpapiergeschäft erscheint nicht im BIP. Damit wären wir in der Bundesrepublik insolvent wegen Überschuldung. Das macht nichts. Dann fangen wir jetzt eben von vorn an. Klare Verhältnisse sind Voraussetzung für den klaren Blick nach vorn.
Ganz zum Schluß: „Zocken“ in der nachbürgerlichen Gesellschaft? Menschen sind so, auch wenn sie die bürgerliche Fehlmutation einmal überwunden haben werden. Was sich nicht verhindern läßt, sollte aber wenigstens keinen großen Schaden anrichten können. Und als notwendiges Experimentierfeld macht die ganze Sache sogar richtig Sinn.
 Peter Rudolf Knudsen, Westfalen im Januar 2014

Montag, 16. Dezember 2013

Bürgerlichkeit und Generationenvertrag

„Generationenvertrag“ – eine Platitüde aus der politischen Klamaukwelt des Bürgertums. Wer, wenn nicht die Jüngeren, sollte die Alten denn versorgen? Und umgekehrt, wer, wenn nicht die Eltern, sollte die Kinder denn versorgen? Das liegt nun einmal daran, daß wir Menschen Säugetiere sind. Diese Tatsache zeigt aber auch folgendes: Zur Lebensstrategie der Gattung der Säugetiere gehört das soziale Verhalten. Und je weiterentwickelt die einzelnen Arten innerhalb der Gattung sind, desto weiterentwickelt ist auch deren soziales Verhalten.

Aber das führt eben nur zu der Erkenntnis, daß das Bürgertum gar keine Gesellschaftsform ist. Denn es hat kein soziales Verhalten. Es kennt nur zeitweilige Zweckgemeinschaften zur Wahrung des status quo. Und so kommt man dann auch nicht weiter. Weder bei Pensionslasten noch bei Bildung und Ausbildung.
Vielleicht reden die Bürgerlichen auch deshalb immer von Tradition, weil sie eben nur diese, auch wenn sie nur vermutet wird, kennen. Vielleicht ist ihr politisches und gesellschaftliches Gesichtsfeld ja gewissermaßen schon polit-genetisch sehr stark eingeschränkt.
Das würde auch erklären, warum  die Diskussionen um Rente und Kindergartenplätze und um was weiß ich noch alles, sich ständig um einen vollkommen inhaltslosen Gerechtigkeitspol drehen. Inhaltslos? Ist das nicht wichtig? Wichtig schon, aber nicht Angelpunkt, um wirklich voranzukommen. Es ist eben nur der Drehpunkt der Diskussionen: Sich immer weiter im Kreise drehen, bringt halt keinen Schritt weiter nach vorn.
Dazu gahört auch die ständige Warnung davor, nicht den künftigen Generationen Lasten aufzubürden, die die dann nicht mehr tragen können. Welch eine Erkenntnis! Vor allem, wenn man einmal eingesehen hat, daß selbst der visionärste der visionären Politiker einen Zukunftshorizont von vielleicht zehn Jahren erfassen kann. Die aktuellen „Organisierer des demographischen Wandels“ sollten mit ihren Antizipationsversuchen besser zum Merlin gehen.
Zu was das führt, soll das Beispiel von Udo Bürgermann zeigen; nennen wir ihn halt so, als Arbeitstitel: Der will keine Kinder. Die kosten nämlich nur Geld. Der will lieber was von seinem Leben haben. Aber er ist verantwortungsbewußt. Er legt Gold zurück für sein Alter. Und Gold haben schon die alten Griechen gemocht. Das geht immer. Das ist er sich selbst schuldig. Er will im Alter von niemandem abhängig sein. Das läßt sein Stolz (er nennt es bürgerliches Verantwortungsbewußtsein) nicht zu. Ein paar Jahrzehnte später stellt er fest, daß sein Gold reichlich an Wert verloren hat. Das Gold hatte nämlich gar nichts mit der Altervorsorge am Hut. Es wollte vielmehr kräftig gehandelt werden. Und da guckt Udo dann dumm aus der Wäsche.
Was hat Udo eigentlich falsch gemacht? Nun, er hat sich ganz einfach nicht säugetiergerecht verhalten. Das ist im übrigen die einzige Stelle, an der der Wortsteil „gerecht“ sinnvollerweise in der ganzen Diskussion gebraucht werden sollte. Er hat weder für den Erhalt und vor allem den Ausbau der Gesellschaft etwas getan (muß er auch nicht unbedingt mit eigenen Kindern tun). Er hat auch nicht im mindesten begriffen, daß er auch in Zukunft, wie heute, aus dem Hier und Jetzt lebt (die Vorausschaubarkeit ist ja etwas begrenzter als angenommen).
Hier und Jetzt heißt aber eben nicht: „Von der Hand in den Mund“. Es heißt vielmehr, daß systemisch Mechanismen installiert werden müssen, die einerseits Motivation zur Leistung abgeben. Und die Aussicht auf ein halbwegs gesichertes Alter ist Teil dieser Motivation; diese Aussicht hilft, Risiken zu ertragen. Andererseits müssen diese Mechanismen die versprochenen Leistungen erbingen können, ohne die mittleren Generationen zu erdrücken.
Nun, diese Mechanismen gibt es längst. Sie funktionieren, zum Beispiel in Schweden, recht gut. Dort „scheißt der schwedische Teufel eben auf den größten Haufen“. Und das ist der am Kapitalmatkt agierende Staat. Der unternehmende Staat also. Nicht der quatschende. Und wenn es dem deutschen Bürger nicht gefällt, einfach etwas kopieren zu sollen, dann mag er halt seine Michelmütze an das System hängen und sagen, es wäre von ihm. Das könnte ich noch ertagen. Nicht ertragen will ich mehr das dumme Gerede zu diesem Thema.
Peter Rudolf Knudsen, Westfalen im Dezember 2013

Samstag, 14. Dezember 2013

WIMpis OIMpis und FOIMpis

Die sogenannte „Internationale Gemeinschaft“ beschreibt nichts weiter als die fortgeschriebene Situation auf dem „Hegemonialmarkt“ nach dem 2. Weltkrieg, die augenblickliche Welt-„Ordnung“. Geordnet im Sinne von neuen Verhaltensweisen, wirklich neuen Strategien ist da allerdings gar nichts. Die Handlungsweisen und vor allem die Allmachtsphantasien sind dieselben wie seit Stonhenge’s Zeiten.

Im Augenblick sind gerade drei „hegemoniale Marktteilnehmer“ dabei, sich aufzustellen, umzugruppieren oder sonst all das zu tun, was Hegemone und solche, die es werden wollen, schon immer gemacht haben: die West-Imperialen (WIMpis), die Ost-Imperialen (OIMpis) und die Fernost-Imperialen (FOIMpis). Sie haben dabei auch stets die gleichen und die schon immer angepeilten Ziele im Visier: Herrschaft über das Öl, Herrschaft über den Ackerboden, Herrschaft über irgendwelche anderen Ressourcen sowie die militärische Omnipotenz und allgegenwärtige militärische Präsenz. Das ist alles nicht neu, kann man in der römischen und sonstigen Geschichte nachlesen. All das ist nicht neu; es ist erdrückend und oft tödlich, aber nicht neu.

Doch was steckt dahinter? Wie kommt es immer wieder zu solchen Erscheinungen? Ist das evolutionär oder gar genetisch determiniert? Können wir Jäger und Sammler am Ende gar nicht anders? Ich denke schon. Ich meine vielmehr, darin nur die krankhaft verengte Weltsicht des sogenannten „Kleinen Mannes“ wiederzuerkennen. In meiner Sicht auf den Bürger meine ich aber schon konkret genau das: das Bürgertum an sich, die sogenannte bürgerliche Mitte. Darum geht es in diesem Blog schließlich.
Also, so sehe ich das: Das Imperium als gedankliches Konstrukt, als Idee, ja als Leitidee, das ist  die Herrschaft des „Kleinen Mannes“ (kleinmütig und kleingeistig), die Herrschaft über den „Kleinen Mann“ und seine Allmachtsphantasien. Das alles wird „organisiert“ durch selbsternannte Eliten oder „Schutzpatrone“. Das Imperium, das Reich besteht nur im Kopf des mutwilligen, ja des vorsätzlichen Untertanen, der von seinen Eliten immer neue „Unterklassen“ präsentiert bekommt, auf die er herabschauen darf. Das macht in wichtig und das macht ihn dauerhaft gefügig. Das macht ihn folgsam, dann folgt er willig. Dann ist er endlich das, was folgt: das Volk.
Und an „Unterklassen“ brauchen „die Eliten“ immer öfter auch gar nicht auf andere Völker zurückgreifen. Das ist gar nicht so opportun. Hierzulande kann man bequem die eigenen Leute heranziehen: „Hartzer“ und Leiharbeiter zum Beispiel. Aus meiner Erfahrungswelt sind es gerne Menschen, die ihren Lebensunterhalt in einem beitrags- und steuerfinanzierten Bereich (DER Domäne des Staatsbürgers!), zum Beispiel im Gesundheitswesen, verdienen, die sehr gerne darauf verweisen, daß auch die Briten in ihrem Imperium Sklaven hatten. Dann dürften sie das ja auch. Und wenn halt die „alten Sklaven“ nicht verfügbar sind, na dann nehmen sie halt neue, aus der näheren Umgebung. Und nur damit es klar ist: Jeder kann gerne die Namen dieses Gesindels von mir erfahren. Ich fabuliere hier nicht.
Das Imperium entsteht überdies in den Köpfen des kleinen Bürgers; stets einhergehend mit wachsender Dummheit und Ignoranz, wachsender Imkompetenz und Impotenz. Und das spürt der kleine Bürger auch selbst. Deswegen ist ihm bei der ganzen Sache auch immer etwas mulmig. Andere könnten es ja bemerken. Auf der anderen Seite verschwindet das Imperium schlagartig, wenn sich niemend mehr dafür interessiert, wenn der selbtsgewählte Status „Kleiner Mann“ durch aufgeklärtes Selbstbewußtsein abgelegt wird. Und dies passiert dann wirklich schlagartig. Es dauert keineswegs vierhundert Jahre, bis Rom untergeht, wie das ein Altbundeskanzler einmal meinte, um uns darauf hinzuweisen, wir hätten noch einige Zeit vor uns, in der wir gar nichts machen könnten.
Noch einmal: Zur Zeit durchlaufen wir eine imperiale „Findungsphase“ mit den WIMpis, OIMpis und FOIMpis. Deren auxiliarii oder föderatii wechseln ab und zu, im wesentlichen sind die Gruppierungen aber klar und deutlich. Auch buhlen die drei nicht jeden Tag um den Willigsten der Willigen neu.
Da der deutsche Bürger aber immer Weltmeister sein will – unter dem macht er es ja nicht –, läuft er auch hier vorneweg. Er ist halt der historisch am besten qualifizierte Untertan. Gelernt ist gelernt.
Um es deutlich zu sagen: Das paßt mir nicht. Es gefällt mir nicht im mindesten, welche Richtung mein Vaterland einschlägt. Die übersteigerte Adenauersche Westintegration (Rom liegt im Augenblick im Westen!) treibt langsam die merkwürdigsten Stilblüten. Auch wenn ich garantiert nicht zu denjenigen gehöre, die den Laptop durch den Klapprechner ersetzen wollen (So nebenbei: Solche Leute sollten sich zum Beispiel einmal die „Seefahrtssprache“ anschauen, die seit Jahrhunderten bestens funktioniert. Und zweitens reichen mir Klappstühle, vor allem die, die selbst laufen können); auch wenn ich nicht zu denjenigen gehöre, die sich über Ranger in deutschen Naturparks aufregen (die heißen in reichlich vielen Ländern der Welt so), so finde ich die auch optische Anbiederung an US-amerikanische Polizeiuniformen und –auftritte (von den Methoden ganz abgesehen) langsam peinlich. Ich bin der felsenfesten Überzeugung, daß niemand auf der Autobahn 45 bei Lüdenscheid, das liegt im Märkischen Kreis, im Sauerland also, die Laufschrift „Traffic Jam“ an einem Polizeifahrzeug verstanden hat.
Doch Spaß beiseite: Die vorauseilende Anbiederung an die WIMpis (ursächlich auch begründet durch eine ja nachvollziehbare Angst vor den OIMpis – die hätten ja auch allen Grund gehabt sich zu rächen –), sollte gerade für den bürgerlichen, den gelernten Untertanen Warnung sein. Dabei geht man in der Regel noch vor seinem Hegemon den Bach ’runter. Kann er von mir aus auch gehen, der deutsche Bürger. Ich halte ihn nicht auf. Ich gehe nur nicht mit. Vielleicht gehe ich lieber nach Europa, allerdings nicht zur augenblicklichen EU.
Peter Rudolf Knudsen, Westfalen im Dezember 2013

Sonntag, 21. April 2013

Furchtbarer und fruchtbarer Wettbewerb

Wettbewerb um seiner selbst Willen macht nicht viel Sinn. Das kenne ich von früher unter „Operative Hektik bei geistiger Windstille“ (siehe aktuell „Der Spiegel und seine mißratene Redaktions-Doppel-Spitze“). Zwei Hähne mit Messerklingen an den Füßen aufzuhetzen, ersetzt kein tragfähiges Konzept. Das muß eine Führung selbst schaffen. Führung ist eben nicht Manipulation, ist eben nicht „sich-zurücklehnen-und-andere-bei-der-Schlägerei-beobachten“. Was beim Spiegel festzustellen ist, ist die völlige Abwesenheit von Führung: Führungsimpotenz und Führungsinkompetenz in einem.
 
Diese „Zwei-Streithähne-Methode“ ist allerdings in der gesamten Wirtschaft weit verbreitet. Gerade die bekannten „Nieten in Nadelstreifen“ wenden sie gerne an, denn so können sie stets auf das Versagen des Unterlegenen im Wettbewerb verweisen. Daß die beiden Streithähne bei gelungener Führung zusammen wesentlich mehr auf die Beine stellen würden, entgeht dabei gern der Aufmerksamkeit. Der Wettbewerbsvogang ist derart unterhaltsamer Klamauk, daß die Betrachtung des Ergebnisses, der Zahlen unter dem Strich, übersehen wird. Nun, zumindest ist es ja unterhaltsam. Und wenn ein Unternehmer(erbe) sich so vergnügen will, dann soll er auch dafür bezahlen dürfen.
Weiter: Wettbewerb nur, um einigen wenigen Zugang zu den „Fleischtöpfen“ zu gewähren (das ist die eigentliche Zielsetzung bei allen Privatisierungsprojekten), ist nicht wirklich förderlich für Innovationen oder Problemlösungen. Da werden alternative Konzepte eher behindert; man beschäftigt sich nach außen zwar damit, will aber eigentlich nur die Kühe weiter in Ruhe melken.
Bei allen Versuchen, Land und Wasser zu privatisieren, wird es ganz deutlich. Mangels eigener neuer Produktideen, wird auf die Grundbedürfnisse der Menschen zugegriffen. Mit der immer gleichen Begündung: Wettbewerb würde „das Beste  im Manne“ hervorbringen und so zum Nutzen aller bessere und billigere Produkte erzeugen. In Wahrheit geht es um die Rückkehr zur Feudalherrschaft.
Das alles ist furchtbarer Wettbewerb, der nur dem einen Zweck dient, Herrschaft zu erhalten. Und vielleicht noch dem Nebenzweck, eigene Unfähigkeit zu verbergen. Dieser furchtbare Wettbewerb hat nur Vernichtung von Werten zufolge, nicht aber die Schaffung von Mehrwert. Die Übernahme eines Konkurrenzunternehmens erhöht nicht die Gesamtwerte, sie verteilt sie nur um. Sie ist nur ein Mittel der Herrschaftsfestigung. Die Folge ist nicht neuer Schwung für neue Projekte. Die Folge ist Selbstzufriedenheit und sinkende Eigenleistung.

Kooperativer Wettbewerb

Demgegenüber steht der fruchtbare Wettbewerb. Er ist ein Element der erfolgreichsten Strategie, die die Evolution hervorgebracht hat: Kooperation. Nur um kein Mißverständnis aufkommen zu lassen: Kooperation heißt, sich zusammen an einem gemeinsamen Ziel orientieren, zum gegenseitigen Nutzen. Es heißt nicht „Friede-Freude-Eierkuchen“ oder „Koste-es-was-es-wolle“.
In der Kooperation setzt der sinnstiftende, das ist der Mehrwert schaffende, Wettbewerb schon bei der Definition der Ziele ein. Selbstverständlich setzt sich dabei eine Idee, ein Ideengeber durch. Das soll ihm zu Ehre und zu Einkommen gereichen. Wichtiger aber ist, daß das so gefundene Ziel von allen akzeptiert und stringent verfolgt werden wird.
Danach geht es im gleichen Stile weiter. Die Idee ist ja nur der Anfang (eines Unternehmens oder eines Projektes oder eines staatlichen Vorhabens oder was auch immer).
Der wirklich entscheidende Punkt ist das zugrundeliegende Verhaltensmuster. Das jeder für sich selbst nach Erfolg, Ansehen, Vermögen und Glück strebt ist keine große Erkenntnis. Es ist einfach so. Auch ist es nicht von Bedeutung, etwas haben zu wollen, daß ein anderer auch hat. Der Unterschied ist, dieses etwas, das ein anderer auch hat, selbst noch einmal erlangen zu können. Es also noch einmal zu erschaffen. Das ist dann der Mehrwert. Man orientiert sich bei seinen Zielen an anderen. Man hat sie als Vorbild. Man hat sie aber nicht als Beuteobjekt.
Kooperativer Wettbewerb kennt durchaus wechselnde Konstellationen und wechselnde Partnerschaften. Er ist also dynamisch. Er orientiert sich aber auch dann am Mehrwert, nicht am Umverteilen und am Beutemachen.
Darin steckt noch eine Kleinigkeit: Neid kann eine Triebfeder sein. Nur wer sich vor denjenigen fürchtet, die mehr erschaffen wollen, die auch etwas für sich erreichen wollen, der ist wirklich mißgünstig. Der ist wirklich bürgerlich.
Nur einen Haken hat die ganze Sache: Da es sich um Menschen handelt, bedarf es lenkender Kräfte. Das können durchaus gemeinsame Werte sein, vermittelt auch durch geeignete Erziehung zur Kooperation. Dann liefe die Sache von selbst. Allerdings ist in der „harten Realität“ meistens noch etwas anderes nötig: Führung. Die wiederum kann niemand leisten (Ja, Führung ist eine Leistung, die man messen kann), der immer und immer wieder siegen muß. Der Sieger hinterläßt nur Zerstörung und Unterworfene. Führen kann nur, wer anderen zum Erfolg verhelfen kann und dies vor allem auch will. Und wer es schafft, den Übereifer einzelner zu steuern, damit es nicht soweit kommt, daß sich einige als Besiegte fühlen. Die werden nicht mehr folgen. Die sind dann zwar immer noch vonnöten, aber nicht mehr dabei.

Lessons learnt

Wer als Unternehmer sehen will, wie sich Menschen prügeln, der sollte zu einem Boxkampf gehen. Das ist billiger, mithin effizienter, als alle halbe Jahre neue Leute anlernen zu müssen; sonst ist der Wirkungsgrad, also die Effektivität – und damit die Produktivität –, der Belegschaft zu gering. Wettbewerb hat per se nichts mit Prosperität zu tun. Freude am Wettstreit wird nur erlebt und Erfolg im Wettstreit wird wird nur erlangt im kooperativen Wettbewerb, der nicht die Vernichtung anderer, der vielmehr das Übertreffen alter Ziele verfolgt.
Ich muß um Entschuldigung bitten: Die Cabaret-Nummer „Effizienz & Effektivität: Warten auf die Weisheit“ konnte ich mir hier einfach nicht verkneifen.
Dies alles gilt auch für jeden einzelnen in seinem privaten und beruflichen Umfeld. Wer alles tut, nur um einen Tick mehr zu haben als der Nachbar, ohne daß ihn das Gesamtergebnis auch nur ansatzweise interessiert, der sollte meines Erachtens einen Arzt aufsuchen. Und was für jeden einzelnen gilt, das gilt auch für Staaten. Auch da gibt es Geisteskranke.
Ach ja, noch etwas zum Abschluß: Viele meinen ja, im Thema Wettbewerb die „Lehren des Macchiavelli“ wiederzufinden. Und die wären ja sehr erfolgreich gewesen. Ich finde nicht, daß ich mir die Lehren eines Speichelleckers zu eigen machen sollte. Denn mehr war dieser Mann nicht: Der beste Schmeichler seines Herrn weit und breit. Und sein Herr war ein irrer Despot.
Peter Rudolf Knudsen, Westfalen im April 2013

Montag, 1. April 2013

Der Wertekanon

Das heere Wort vom Wert: was ist das eigentlich? Der Wert ist die unabdingbare Leitlinie für jeden ganz persönlich, aber auch im gesellschaftlichen Umgang miteinander, in der Politik und unter den Völkern. Es gibt eben Dinge, die macht man so und nicht anders. Und es gibt Dinge, die tut man einfach nicht. So ist der Krieg auch nicht die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Er ist die Abwesenheit jeglichen Wertes.

Aus „dem Wert“ folgert dann erst das Recht und auch das Verbot oder das Tabu. Verbot und Tabu sind dann aber selbst­auferlegt, innerlich akzeptiert und angenommen. In der praktischen Umsetzung ist alles in Gesetze gegossen, aber nur um allgemein überpüfen zu können, wo genau jemand da zwischen Recht und Verbot/Tabu gerade steht. Gesetze kön­nen die Orientierung an Werten nicht „erzeugen“, sie können nur in der Diskussion oder im Streitfall Hilfestellung geben.
Seit Jahren oft gehört und nie erklärt sind auch die sogenannten bürgerlichen Werte. Was hat es damit auf sich? Woher kommen die und was meinen sie? Das Bürgertum, als Bannerträger der bürgerlichen Werte, ist tatsächlich immer noch nichts weiter als die mittelalterliche Feudal- und Ständegesellschaft. Lediglich der Adel als Spitze dieser Gesellschaft wurde ein wenig „umgewidmet“. Ansonsten gelten „Herkunftsrechte“, bevorrechtetes Zunftwesen und mittelalterliches Schuld- und Sühneverständnis. Gerade letzteres verhindert mit seiner postulierten, ewig drohenden „Verdammnis“ jede Problemlösung, zum Beispiel bei Staatsschuldenkrisen, die nun einmal passieren können.
Wie aber  faßbare und praktikable Strukturen in die wabernde Wertewolke bringen? Werte als Leitlinie müssen greifbar und einsehbar, standhaft und anpassungsfähig zugleich sein. In Gegensatzpaaren abgebildet ergibt sich für jeden Teilaspekt automa­tisch eine gewisse Bandbreite, auf der jeder seinen persönlichen Platz finden kann. So ein Gegensatz­paar ist dann eine Waage, auf der jeder die Gewichte ein wenig verschieben, für sich persönlich „zurechtrücken“ kann. Nur die Waage ignorieren kann er nicht. Und er kann nicht eine Seite mit 100% „belasten“. Dann geht die Waage kaputt.
Respekt vs. Freiheit
Die oft und gern wie eine Monstranz vorangetragene Freiheit beschreibt eigentlich nur die Möglichkeit, Dinge auszu­spre­chen oder eben auch nicht auszusprechen, Dinge zu tun oder eben auch nicht zu tun. Dabei ist das Nichtsagen oder das Nichttun die eigentliche Schwierigkeit in der Definition. Alles freigeben kann jeder. Die Einschränkung aber innerlich zu akzeptieren ist da schon schwieriger. Als Christ oder als jeder andere Mensch mit einem Religionsverständnis kann man es sich allerdings leichter machen. „Respektregel­anwendungen“ kann der Christ einfach aus den zehn Geboten nehmen. Er  „funktioniert“ einfach danach. So kostet es ihn weder Überlegung und Überwindung, auch einmal den Mund zu halten oder seine Worte anzupassen, um nicht „falsch Zeugnis zu reden“. Gleiches gilt für den Resepkt vor der Schöpfung. Es kostet ihn keine Überwindung, ganze Landstriche nicht zu verwüsten, um ein Körnchen „seltene Erden“ zu finden. Er kann es ja auch anders versuchen. Die Freiheit dazu hat er ja. Schön ist dabei auch, daß Respekt in allen seinen Facetten eine Art Evolution durchlaufen zu haben scheint. Respekt ist uralt. Sonst wären wir Menschen schon lange nicht mehr da.
Selbstbestimmung vs. Verantwortung
Im direkten Umgang miteinander ist es genauso: Verantwortung für das Gegenüber oder auch gegenüber den Kindern ist keine Einschränkung der möglichen Selbstbestimmung. Es ist keine Einschränkung erkennbar, nur weil man sich dem Wohl anderer unterwirft. Im Gegenzug gilt halt nur gleiches.
Ehre vs. Niedertracht
Welch eine altertümliche Sprache? Ach, ist das wirklich so? Das Ehrempfinden heißt nicht umsonst Empfinden. Es ist tief in der „Gefühlsevolution“ verwurzelt. Es ist ein bestens funktionierender „Gefühlsmechanismus“. Erst wenn der ausge­schal­tet wird, dann wird es brenzlig. Die Naziherrschaft war nicht die Überbetonung (soldatischer) Ehre. Sie war die Abwesenheit von Ehre. Das sollte Lehre genug sein.
Fürsorge vs. Ignoranz
Ebenso lang ist die (soziale) Evolution dieses Gegensatzpaares. Die Fürsorge darin ist nicht nur die gegenüber den eigenen Nachkommen zum Beispiel. Sie gilt ganz allgemein dem anderen und sie gilt der Schöpfung. Die Fürsorge umfaßt auch die für den Schwachen und Armen. Und sie umfaßt die Vorsorge auch für den anderen, nicht nur für sich selbst. Ignoranz aber entzieht jeder Gemeinschaft die Lebensgrundlage, auch wenn es manchmal geboten ist, nicht genau hinzusehen. Man muß eben nicht alles mitkriegen wollen.
Führung vs. Herrschaft
Führung ist die vornehmste Aufgabe jeder Politik – und die schwerste. So weit so gut. Führung ist aber ein Wert an sich. Er hat noch gar nichts mit irgendeiner Organisationsform zu tun. Demokratie ist zwar eine erstrebenswerte Organisa­tionsform, aber eben auch nicht mehr. Allein ist sie bedeutungslos. Und Führung war „schon immer da“. Nur weil die Stimme auch des „Geringsten“ Gehör finden muß, so heißt das eben noch lange nicht, daß Führung dadurch überflüssig wird. Ganz im Gegenteil: Die Abwesenheit oder gar das Vermeiden von Führung führt unweigerlich zur Herrschaft. Und Herrschaft ist die Verkrustung von Strukturen bis hin zum Infarkt.
Kooperation vs. Unterwerfung
Eine Variation, wenn man so will, ist das nächste Gegensatzpaar. Im Idealfall kann Kooperation Führung beinahe erset­zen. Sie liefe dann zumindest ein Stück weit von allein. Kooparation ist aber wiederum ein schon lange erlernter, ein evolutionärer Wert. Sie erhält das Gegenüber. Unterwerfung ist nur die Vernichtung. Kein Unterworfener hat jemals etwas zum Fortschritt beigetragen. Warum hätte er es auch tun sollen. Wenn er sich nicht mehr zur Wehr setzen oder weglaufen konnte, dann hat er eben auch nichts mehr für seinen Herrscher getan. Sklavenhaltergesellschaften waren noch nie lebensfähig.
Leistung vs. Verwertung
Etwas leisten dürfen, mehr leisten dürfen als sein Vorgänger, mehr leisten dürfen als sein Nachbar, all das ist ein grund­legender Wert an sich. Er berücksichtigt ein evolutionäres Prinzip. Dem inneren Drang, sich steigern zu wollen, muß die äußere Gelegenheit, sich steigern zu dürfen, beiseite gestellt werden. Diametral dagegen läuft der Verwertungsan­spruch, der auf irgendwelchen alten Rechten beruht, die womöglich noch vererbt sind. Das ist feudales Denken. Das steht jedem Leistungswillen entgegen.
Wohlstand und Wohlergehen vs. Umverteilung
Auf dem Leistungswert beruht auch der innere Wille, stets einen Mehrwert schaffen zu wollen. Und Mehrwert schaffen allein bedingt Wachstum. Letzteres ist allein deswegen nötig, um „Reibungsverluste“ auszugleichen. Der Ausgleich gelingt nicht nur durch Auffüllen eines Verlustes bis zum vorherigen Wert. Er gelingt immer nur durch das Überschreiten des vorherigen Wertes. Wohlstand und Wohlergehen aber gehen einher mit gleichzeitigem Wohlfühlen. Wer das als Wachstum von Glück bezeichnen mag, der soll es gerne tun. Allerdings funktioniert Wachstum nur, wenn der Respekt vor dem anderen und der Schöpfung beachtet wird. Selbstverständlich hat der Wunsch nach einem schönen neuen, viel bunteren Kleid etwas mit Selbstdarstellung und reichlich wenig mit einem „Grundbedürfnis“ zu tun. Das spielt aber keine Rolle, solange das Kleid resourcenschonend und zu guten Löhnen hergestellt wird. Es darf ruhig sehr teuer verkauft werden (die Schornsteine müssen rauchen). Denn der Preis liegt nur im Auge des Käufers – und ist verhandelbar. Wer damit Reichtum erwirbt, der kann ihn gerne behalten. Umverteilung, vor allem die „finanzindustrielle“ Umverteilung aber ist das Umgehen des Wunsches, stets einen Mehrwert schaffen zu wollen (Das was gern als Finanzindustrie dargestellt wird, ist nichts weiter als das Märchen vom Schlaraffenland. Ein Umverteilen, meist nur simples Abluchsen und Stehlen, ohne jeden Mehrwert. Geld kann kein Geld schöpfen. Es kann nur von einer Tasche in die nächste „wandern“).

Beispiele für die „praktische Anwendung“ des Wertekanons

Beispiel 1: Ausdruck des Strebens nach Mehrwert ist zum Beispiel ein Steuersystem, das Mehrwert belohnt (und wenig besteuert). Das Steuersystem ist ungeeignet als Instrument eines nachträglichen Gerechtigkeitsausgleiches. Gerechte Verteilung erfolgt vorher, beim Schaffen des Mehrwertes, durch gute Löhne.
Beispiel 2: Jedes Produkt sollte eine Zulassung erhalten, wie heute auch nach Sicherheit etc., aber auch nach folgenden Kriterien: Es muß leistungsgerechte Löhne „produziert“ haben und es muß in seiner kompletten Herstellungsbilanz resourcenschonend und wiederverwertbar sein. Damit ist es egal, wo und unter welchen Voraussetzungen es hergestellt wurde. Genügt es den Anforderungen nicht, ist es schlecht. Wäre das dirigistisch? Ja, aber man kann auch sagen: so sieht Führung aus, so sieht Orientierung an einem Wertekanon aus. Freiheit ist eben doch nur die einmalige Gelegenheit, sich selbst disziplinieren zu dürfen Wer diese Gelegenheit nicht nutzt, für den besorgen das im zweiten Anlauf eben andere.
Beispiel 3: Gibt es individuelle Unterschiede in der Leistung? Ja. Ist das schlimm und muß man da gegensteuern? Nein. Es kommt auf die Bandbreite an, nicht auf „alles ist, alle sind gleich“. Um die Bandbreite zu definieren, anzupassen und zu bewahren bedarf es politischer Führung.
Beispiel 4:Wäre das Ende des Kapitalismus gleich mit dem Ende des Geldes? Nein. Kapitalismus ist nur eine Variation von Feudalismus oder Kolonialismus. Er hat mit der Erfindung und der Bedeutung des Geldes gar nichts zu tun. Kapitalismus würde auch mit Kaugummis genauso ablaufen wie jetzt. Kapitalismus kennt Geld gar nicht – außer OPM (Other Peoples Money, Das Geld anderer Leute). Geld als Idee und Steuerungselement ist aber weitaus mehr. Und Verzinsung von Geld (als Kredit oder Anlage) ist auch in Ordnung, solange Leistungen und das Schaffen von Mehrwert dahinterstehen.
Peter Rudolf Knudsen, Westfalen im März 2013